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Hey ihr Lieben.

Seit langem schreibe ich euch. Es ist viel passiert. In meinem Projekt und mit mir selbst. Ich bin jetzt fast 6 Wochen in Südafrika. Ich möchte euch einen kleinen Einblick geben, was ich in der Zeit alles erlebt habe.

Am 13. Juli bin ich um 5 Uhr nachmittags nach Kapstadt geflogen. Der Flug war einfach super. Es gab genügend Filme und man konnte zwischen drei Menüs auswählen, sowohl beim Frühstück als auch beim Abendessen. Um 5:01 sind wir in Kapstadt gelandet. Kerstin, die mit mir zusammen als Volunteer von Frankfurt aus geflogen war, und ich saßen natürlich nicht nebeneinander wie geplantJ

Angekommen ging es gleich zum Backpackers. Dort konnten wir nach einigen Schwierigkeiten endlich einchecken. Gegen 10 kam Frans von der Organisation und „wies“ und ein. Wir gingen zusammen zur Waterfront, ein traumhafter Ort Kapstadts. Sicher und touristisch. Er erzählte uns einiges von Kapstadt und der Umgebung…Die Woche machten wir viele Ausflüge und sahen unheimlich viel vom Western Cape.

Die Woche war für mich persönlich die schönste, während meiner ganzen Zeit hier. Kerstin und ich verstanden uns super und wir freuten uns auf unser Projekt in Durbanville.

Am Samstag, den 19.7. wurden wir um 9 vom Backpackers abgeholt und Frans brachte uns zum Kinderheim. Wir waren voller Erwartungen und Hoffnung. Kerstin und ich freuten uns sehr auf die Arbeit. Dort angekommen: Schock: Keine Einführung, zu viele Volunteere und das Schlimmste, es gab mehrere Häuser auf dem Gelände. In jedem dieser Häuser lebten Kinder in einer Art von Kleinfamilie mit dem zuständigen Child Care Worker. Wir Volunteere lebten in einem anderen Haus, seperated! Die Vorstellung von einem großen Speisesaal und gemeinsames Leben mit den Kindern war schnell dahin. Uns wurde unser Haus gezeigt. Schock. Dreck, Kackalaken, viel zu viele Volunteere ,30 insgesamt davon 25 Deutsche….Uns wurde von der Organisation drei mal täglich Essen versprochen. Doch schon am ersten Tag wurde schnell klar, dass es eine Lüge war. Breakfast bestand daraus: Toast, eventuell vorhandene Milch + gekauftes Müsli. Kein Käse, kein Honig, keine Marmelade.. das Lunch bekamen wir dann immer auf Tellern, aber auch nur, wenn wir Glück hatten und jemand von uns Volunteere die Teller, die jeder mit seinem Namen versehen musste, am Morgen in die Küche brachte. Das war leider nicht selbstverständlich.  Kein Obst, kein Gemüse….das konnte heiter werden. Nachdem wir dann zwei Tage blöd rumsaßen, da die Zuständige für Volunteere, Yvonne, erst am Montag kam, wurdne wir von ihr "eingewiesen". Wir bekamen eine kurze Einführung über unsere Shifts.

Shift 1: Arbeiten am Mo, Di, Fr, Sa und So

Shift 2: Arbeiten am Mi und Do.

Schock. Viel zu wenig Arbeit. Viel zu viel OFF. Was machen in einer Stadt wie Durbanville, unsicher und nicht wirklich attraktiv?? Viele von den anderen Volunteeren erzählten uns, dass sie kaum etwas zu tun hätten…

Ich begann die Woche mit Nightshift.

Man muss von 7 pm bis 7 am arbeiten. Der Job ist dafür da, dass man aufpasst, dass keines der Kinder aufwacht und weint, weil es Albträume hat. Im Grunde genommen ein sinnvoller Job. Doch auch in diesem Gebiet wurden viel zu viele Volunteere eingeteilt. Es arbeiten in diesem Shift sowieso schon 2 Child Care Worker. Allerdings ist es auch vorgekommen, dass Kinder aufwachten, da sie Angst hatten und uns als Volunteere war es nicht gestattet zu den Kindern hinzugehen um sie zu trösten. Die Kinder haben alle schlechte Vergangenheiten und könnten sich erschrecken, wenn jemand Fremdes zu ihnen in der Nacht ans Bett tritt. Warum dann Nigthshift für Volunteere?? In der zweiten Woche wechselte ich in den DayShift.Das bedeutet: von 6 am – 8pm arbeiten. Man hilft den Kindern beim Aufstehen, Früstückmachen, Betreuen am Nachmittag und beim Supper+ Bettfein machen.Leider waren meine Kinder in meinem Haus sehr selbstständig,sodass sie alles selbst machen wollten und sollten. Ich hatte somit wieder nichts zu tun und saß blöd rum. Das schaute ich mir 2 Wochen an. Dann rief ich meine Organisation an und erklärte ihnen, dass ich hier nicht länger bleiben möchte, da ich nichts zu tun hätte und schon nach mehr Arbeit gefragt habe.

Frans, von der Parterorganisation von Multikultur, kam auch am nächsten Tag vorbei. Ich schilderte ihm die Situation und er sagte mir, dass es in anderen Social Einrichtungen nicht anders aussehen würde. Ich schlug ihm vor, mein Cheetah Projekt früher in Anspruch zu nehmen. Er gab mir noch ein anderes Projekt zur Auswahl. Monkeyland-Plettenberg Bay.

Er sagte, er bräuchte eine Woche für eine entgültige Antwort. In dieser Woche waren Kerstin und ich auf Reisen. Wir machten die Garden RouteJ

Es war eine traumhafte Woche, wobei ich immer mit den Gedanken bei Frans war. Als wir zurückkamen erfuhr ich aber auch erst durch Nachfrage durch Mail, dass es nicht möglich ist zu wechseln. Ich bat ihn, dass er sich bei Monkeyland umfragen sollte…Ich wartete….eine Woche….ich rief ihn an und schrieb ihm Mails..seine Notrufhandynummer war aus. CURRENTLY NOT AVAILABLE. Ich wurde nervös. Als er sich endlich nach einer Weile meldete und mir mitteilte, dass er heute mein Profil an Monkeyland geschickt hatte wurde ich echt sauer. Er hatte über eine Woche Zeit gehabt und hat nichts gemacht. Nichts. Ich hatte so hohe Erwartungen an ihn und er…..er kümmerte sich nicht. Über eine Woche verging wieder..irgendwann wurde mir das zu blöd. Ich versuchte ihn wieder auf dem Handy anzurufen….OFF. Kerstin und ich wurden echt sauer und saßen jeden Abend am Bett und überlegten, was wir Multikultur daheim alles erzählen werden. Es war echt eine harte Zeit. Dieses ständige Warten und Hoffen, zwischendurch immer das Generve von den anderen Volunteeren, die nur saufen konnten. Kein Mensch war da, der Grips im Hirn hatte und uns verstand. Keiner verstand wirklich warum wir so unzufrieden waren. Sie waren zwar alle nicht sehr zufrieden doch sie waren zu faul und zu bequem etwas dagegen zu unternehmen. Diese Blödheit tat mir echt schon fast weh.

Als Kerstin am Samstag, den 16.8. in ein anderes Projekt wechselte, was von vornerein geplant war, war ich in dem Haufen alleine. Ich musste alleine weiter kämpfen. Frans meldete sich nicht und ich versuchte ihn weiter anzurufen. Die Aktion, wie Kerstin ihr Projekt wechselte war auch eine Aktion, von der ich lieber nicht anfangen möchte, einfach unfassbar von Frans+ Co.Als ich mit meiner Mutter immer parallel Möglichkeiten suchte, mich aktiv in dem Land sozial zu beteiligen, kamen wir auf Kindernothilfe. Leider habe ich bis jetzt keine Antwort von ihnen. Ich versuchte auch bei anderen sozialen und tierschutzm. Bereichen mich zu beteiligen und mich zu bewerben aber ich bin zu jung und viele meinten, es sei für mich ohne Organisation viel zu gefährlich. Mit der Zeit wurde ich immer kraftloser. Ich konnte in dem Haufen von Menschen und Kindern nicht länger bleiben. In der letzten Woche arbeitete ich in der Schule. Dort hatte ich auch nichts zu tun. Just cut and paste. Als ich einem Jungen dann endlich am PC helfen konnte und wollte wurde mir von der Lehrerin auf die Hand geschlagen.

Diese Erfahrung tat mir persönlich total weh. Was mache ich hier eigentlich???ßDas fragte ich mich die ganze Zeit.

In diesem Haus wurde meiner Meinung nach total falsch mit den Kindern umgegangen. Die Child Care Worker schlugen die Kinder anstatt ihnen psychologisch zu helfen. Erziehung kann man das nicht nennen. In der Nacht werdne die Kinder von uns Volunteere 3 mal geweckt, damit sie auf Toilette gehen. Sie sollen nicht ins Bett machen. Doch anstatt nachzufragen, warum sie ins Bett machen, werden die kleinen Würmer nachts aufs Klo gezerrt und wenn sie nicht machen  müssen werde sie angeschrien…Was ist das???Sowas tat mir immer so weh dies anzusehen…keiner redete wirklich mit den Kindern. Die sind schon so kaputt. Richtig hasserfüllt uns gegenüber. Ich war mit der gesamten Situation überfordert. Niemand sagte mir wie man mit ihnen umzugehen hat. Niemand!!

Nach langem Überlegen und unter Berücksichtung der Tatsachen, dass ich hier schon fast überfallen worden bin,fast von einem 14-jährigen Jungen vergewaltigt worden bin,gegen den ich mich nicht zu wehren wusste(!!!) und es echt gefährlich ist auf die Straßen zu gehen,da noch immer ein unheimlicher Weißenhass herrscht habe ich mit meinen Eltern entschieden, dass ich nach Hause komme um dort das zu suchen und durchzusetzen, was ich im Grunde genommen hier machen wollte. Sozial mit betätigen. Gebraucht zu werden. Ich habe diesen Weg nicht einfach schnell hinnehmen können. Ich hatte einen Lebenstraum. Ein Jahr Südafrika. Dank der Organisation, die sich wirklich einen Dreck um uns gekümmert hat und der mangelnden Sicherheit in diesem Land ist es mir nicht mehr möglich hier zu bleiben. Ich komme nach Hause. Ich habe hier sehr viel Leid erleben müssen, ich bin auf Missverständnis gestoßen und habe mich noch nie in meinem Leben so nutzlos gefühlt. Es kommt mir vor, als würde ich das alles nur träumen. Ich kann nicht aufwachen, da es kein Traum ist. Leider. Ich habe hier so viel einstecken müssen, ich wurde zurückgestoßen und meine Hoffnung wurde jeden Tag kleiner. Ich habe mich durch diese Vorkommnisse sehr verändert. Ich merke, dass ich nicht mehr die gleiche Person bin wie vorher. Wozu das gut war…..es wird sich zeigen.

Dank Kerstin hatte ich 2 wunderschöne Reisewochen und durch sie habe ich den Rest der Zeit auch irgendwie überleben können. Wir haben uns gehabt und haben uns somit getröstet. Als sie wegging war es echt sehr sehr schwer für mich. Ich hoffe sehr, dass sie die letzten drei Wochen glücklicher sein kann, wobei ich da auch wieder etwas von ihr gehört habe….es ist einfach nur total enttäuschend und verletztend.

„Der Mensch lernt nur wenn er Scheiße frisst sonst reift er nicht“. Das ist leider so. Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich habe viel gelernt, von Kerstin, von den Menschen hier ( wenn auch nur Schlechtes) und von den Kindern….ich werde diese Zeit denke ich niemals vergessen.Kerstin, dir danke ich für die wunderschöne Zeit mir dir. Ich habe dich echt sehr schätzen gelernt und freue mich, wenn wir uns bald mal wiedersehen. Danke, dass wir beide gekämpft haben, und zwar zusammen und in eine Richtung. Wir hatten viele Gegner, lassen wir sie ihren Weg gehen….vielleicht werden auch sie irgendwann erkennen, dass es auch noch andere Einstellungen auf Erden gibt, die zu respektieren sind.

Heute und morgen Nacht verbringe ich die Nacht noch im V&A Hotel in Kapstadt / Waterfront. Ein Nobelhotel. Nach all den Flöhen,Augenpilzen, dreckigen Toiletten und Kummer habe ich mir das irgendwie irgendwo verdient.Danke Mama und Papa, dass ihr immer für mich da ward. Die Telefonate haben mir sehr geholfen.

Ich komme heim. Ich habe gekämpft und doch verloren. Und genau daran, an diesem Verlust meinerseits, werde ich noch sehr sehr lange arbeiten müssen. Es wird schwer wieder nach Hause zu kommen, denn im Grunde genommen will ich nicht nach Hause…aber hier kann ich nicht bleiben….

Machts gut ihr Lieben.

Wir sehen uns bald wieder. Sehr bald.

Eure Ria.

20.8.08 22:25
 


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